Nur Harmonie im Team? Das liegt meist daran, dass man dem/der Chef*in lieber nicht widersprechen darf. Oder dass den einzelnen Teammitgliedern nicht so viel an ihrer Arbeit liegt. Denn Streit per se ist nichts Schlechtes sondern Zeichen einer lebendigen Teamkultur. Doch richtig Streiten will gelernt sein. 

“Bei uns wird nicht gestritten, wir haben eine ganz harmonische Teamkultur!” –  Das ist ein Satz, der allzu häufig von Führungskräften benutzt wird, uns im D.Network aber sofort aufhorchen lässt. Denn in jedem Team gibt es Reibung, gerade wenn alle ein bisschen Herzblut mit in die Aufgaben bringen und für das einstehen, was sie tun. Eine scheinbar harmonische Teamkultur gibt es, wenn man nicht sagt, was man denkt und wenn sich viele Leute viel zu lange anpassen oder wenn nur eine Person was zu sagen hat. Und wenn sich dann nach viel zu lange Angestautem doch mal jemand dem eigenen Unmut Luft macht, dann knallt es meist richtig. Meistens suchen Teams erst zu spät Rat zur Streitschlichtung. Wir finden, das geht auch anders. 

Streiten ist nicht Streiten 

Kleinere Konflikte haben wir meist tagtäglich. Von einem Konflikt spricht man, wenn Interessen, Ziele und Werte von Personen oder Gruppen nicht miteinander vereinbar sind. Voraussetzung für einen Konflikt ist, dass wir emotional involviert sind und wir der Sache eine gewisse Bedeutung beimessen. Manchmal findet ein Konflikt eine Lösung, mit der sich beide Parteien gut arrangieren können. Größere Konflikte mit stark gegensätzlichen Positionen, die keinen Kompromiss finden, führen hingegen oft zu einem Streit, in dem die eine oder andere Partei den Kürzeren zieht. Hier gilt es dann, einen Vergleich zu finden, der alle Parteien gesichtswahrend weitermachen lässt.

Streit erfordert Mut

Eine Voraussetzung für Streit ist, dass Menschen sich überhaupt trauen, offen ihre Meinung kundzutun. Dies ist nicht selbstverständlich für Gruppen, in denen schon seit jeher uniformes Denken herrscht, Widersprüche unerwünscht sind und die Führungsposition immer das letzte Wort hat. Dies ist nur scheinbar harmonisch, denn meist sind die Mitarbeiter so auch nicht investiert in ihren Job. Häufig gibt es in solcherlei Organisationen dann stattdessen Alibi-Konflikte, die weniger um die Sache gehen, stattdessen aber stark politisch und ego-getrieben sind. Ideal ist es, wenn alle Meinungen gesagt werden dürfen und gleichermaßen gehört werden, wenn alle ihr Ego zu Hause lassen und sich niemand gleich persönlich angegriffen fühlt.

Angst als zentraler Treiber der Harmoniekultur

Wieso aber sagen wir oft nicht die Meinung, äußern keine Kritik und ziehen uns lieber ganz zurück? Weil wir Angst haben. Weil wir häufig Angst haben, dass uns jemand widerspricht, dass unser Verhalten Konsequenzen hat, dass uns das schadet, dass wir ausgegrenzt werden oder auch dass sich unser Gegenüber angegriffen fühlt. Aus der Erfahrung heraus ist aber die Angst meist größer und beeinträchtigender als die Konfrontation selbst. Ein externes Coaching oder eine externe Beratung kann dabei unterstützen, diese Angst abzubauen.

Wie kann eine gute Streitkultur geschaffen werden?

In Zeiten, in denen mentale Probleme immer mehr werden und die Identifikation für einzelne Personen mit dem Job immer wichtiger wird, ist die Sagen-was-ich-denke-Kultur wichtig für das persönliche Wohlbefinden. Denn wenn jeder sagen darf was er*sie denkt, dann führt das zu mehr Reibung. Reibungsenergie wiederum kann sehr gut zur Weiterentwicklung und Veränderung im Unternehmen genutzt werden. Und gelöste Konflikte schaffen Nähe, Verbindung und Identifikation. Um streiten zu lernen und eine Streitkultur zu erschaffen, braucht es aber Zeit und Mut, um sich daran  zu gewöhnen, von wenig über nicht bis viel zu kommunizieren.

Und alle müssen das natürlich wollen. 

  • Vertrauen & psychologische Sicherheit: Im Team herrscht eine Stimmung des Vertrauens, in dem ich ohne Konsequenzen auch Schwächen zeigen oder meine ehrliche Meinung äußern kann. Verwundbarkeit schafft Vertrauen und psychologische Sicherheit. 
  • Begegnung auf Augenhöhe: Dies setzt voraus, dass im Team alle gewillt sind, sich auf Augenhöhe zu begegnen – trotz Hierarchie.
  • Regeln und Werte formulieren: “Bei uns im Team ist eine direkte und offene Kommunikation erwünscht und Kritik erlaubt und gern gesehen, da sie uns dabei hilft, uns weiterzuentwickeln und uns vor größeren Konflikten und Streitigkeiten bewahrt. Wir versuchen Kommunikation in gewaltfreier Art ohne persönlichen Angriff so oft wie möglich zu implementieren, ohne dabei Dinge persönlich zu nehmen.”
  • Moderation: Oft hilft es eine neutrale Person zu haben, mit der man diesen Streit-Konsens im Team gemeinsam erarbeitet, gewaltfreie Kommunikation übt und über Werte im Team spricht.

Seit 2019 unterstützen wir im D.Network Organisationen und Unternehmen dabei, von Gruppen zu echten Teams zusammenzuwachsen. Immer wieder machen wir dabei ähnliche Beobachtungen, die zunächst verhindern, dass dies einfach so gelingt – und im Digitalen ist es noch schwieriger, die Hürden zu überwinden.

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(c) Foto by Clay Banks on Unsplash